Professor Dr. med. Johannes Franz Hönig,Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie.
Jeder will alt werden, keiner will jedoch alt sein; eine Forderung mit der sich die moderne Medizin zunehmend auseinandersetzt, um die Lebensqualität alternder Menschen zu steigern, wozu heute mehr denn je attraktives Aussehen, Fitness, sexuelle Ausstrahlung und Aktivität gehören. Heute sind immerhin 20% der Bevölkerung über 60 Jahre und 6% der Bevölkerung über 80 Jahre; in 50 Jahren wird sich der Anteil verdoppelt haben. Mit dieser Zunahme der Lebenserwartung werden auch die Altersveränderungen und Alterserscheinungen immer offensichtlicher. Der natürliche Alterungsprozess führt häufig dazu, dass die geistige Vitalität nicht mehr mit der körperlichen Attraktivität übereinstimmt und der Wunsch nach Veränderungen des äußeren Erscheinungsbildes deutlich wird. Ein möglicher Ausweg bietet dann die ästhetisch-plastische Chirurgie.Sie zielt darauf ab, durch Verbesserung des äußeren Erscheinungsbildes das Selbstvertrauen zu stärken und die Selbstsicherheit zu festigen, um eine bessere Anpassung an das Leben im Alter zu erzielen, wenn sich Körperbild und Vitalität im familiären, beruflichen und sozialen Umfeld nicht den gewünschten Anforderungen entsprechen.
Altersveränderungen des Körperstammes
Der altersbedingte Gewebselastizitätsverlust in Kombination mit einsetzender Muskelatrophie und vermehrten Fettansammlungen in bestimmten Körperregionen führt bei älteren Patienten zur Veränderung der Körpersilhouette, die vornehmlich im Bauch- und Hüftbereich in Erscheinungen treten. Durch Erschlaffung der Haut und Muskelgewebe in Kombination mit vermehrter Fettansammlung kommt es in einigen Körperpartien zum verstreichen der Taille, Erschlaffen der weiblichen Brust, des Gesäßes, der Hüften und Oberschenkel mit vertikalem und horizontalem Gewebsüberschuss sowie vermehrter Faltenbildung. Besonders in der oberen Partie der unteren Extremitäten können die vermehrten Fettanreicherungen zu Konturdeformitäten führen, die sich bis zu den Knien erstrecken und zur Ausbildung Faltenbildungen und Fettanreicherungen oberhalb der Kniescheibe führen, die vornehmlich die Innenseite des Knies betreffen und kosmetisch das äußere Erscheinungsbild erheblich beeinträchtigen [55-57].Verstärkt werden die allgemeinen Altersveränderungen der Körpersilhouette durch forcierte Gewichtsreduktionen bei stark übergewichtigen Personen, die dann mit ausgeprägten Hautüberschüssen im Stamm- und Extremitätenbereich einhergehen und Anlass zu einer chirurgischen Korrekturoperation im Sinne einer Körperplastik, das auch als Body Lift bezeichnet wird, geben. Dabei werden Hautentfernungen am Körperstamm und Extremitäten zur Straffung und Konturierung des Körpers durchgeführt, die in der Regel eine kombinierte Oberarm-, Bauch- und Oberschenkel- sowie Gesäßplastik beinhaltet. Dies fördert bei den alternden Patienten die gesellschaftliche Resozialisierung mit einem gestärkten Selbstbewusstsein und einer gefestigten Selbstsicherheit.
Altersveränderungen der weiblichen Brust
Bei jungen Patientinnen ist in der Regel die Brust zwischen der zweiten und sechsten Rippe lokalisiert. Die Brustwarze befindet sich geringgradig unterhalb der Brustmitte (Abb. 1). 
Abb. 1: Altersdeszensus der Brust; aus: J. F. Hönig. Ästhetische Chirurgie, Stinkopff – Springer Verlag, Heidelberg 2000
Mit zunehmendem Alter stellt sich eine sog. „Hängebrust“ ein, die sich prinzipiell durch zwei Schrumpfung des Drüsengewebes und Elastizitätsverlust der Haut erklären lassen und zur Formveränderung der Brust führen.
Operative Behandlung der alternden Brust
Bei der milden Form der Drüsenschrumpfung lässt sich eine Konturverbesserung durch Hautstraffung erzielen. Ausgeprägte Hängebrüste bedürfen in der Regel einer modifizierten inneren BH-Reduktionsplastik mit Erhalt der Funktion des Brustwarzenvorhofkomplexes. Diese Methoden stellen deshalb bei älteren Patienten selbst mit Durchblutungsstörungen ein relativ sicheres Verfahren mit guten kosmetischen Resultaten und geringer Komplikationsrate im Senium bei langfristig guter Neokonfiguration der Brust dar.
Altersveränderungen des Gesichtes
Die Erschlaffung der Gesichtshaut und die zunehmende Faltenbildung sind die auffälligsten äußerlichsten Merkmale des Alterns. Während beim jugendlichen Gesicht noch eine balancierte Relation der Gewebe des Gesichtes existiert, kommt es mit zunehmendem Alter zu einer Imbalance zwischen Knochen, Muskel, Fett und Haut sowie zur Volumenreduktion des gesamten Skeletts. Muskelmasse und Elastizität verringern sich, ebenso nehmen die Elastizität und Dicke der Haut ab, während es in anderen Bezirken des Gesichtes zu einer Zunahme des Unterhautgewebes in Form von Fett kommt und in anderen Bereichen eine Fettreduktion beobachtet wird. Diese zunehmenden Veränderungen führen zu einem progressiven Herabsinken der Weichgewebe, das in bindegewebearmen Regionen besonders auffällig wird (Abb. 2).

Abb. 2: Altersdeszensus des Gesichtest; aus: J. F. Hönig. Ästhetische Chirurgie, Stinkopff – Springer Verlag, Heidelberg 2000
Der Ausprägungsgrad ist abhängig von der Rasse, den genetischen Faktoren sowie den internen (Hormon-, Vitamin- und Enzymhaushalt etc. ..) und externen (Ernährung, Sonnenexpostion etc. ...) Faktoren und stellt sich bei einigen individuell unterschiedlichen Patienten früher als bei anderen ein.
Mit zunehmendem Alter kommt es zu spezifischen anatomischen Veränderungen, die vor allem im Gesicht deutlich werden. Bereits um das 25. Lebensjahr ist eine Absenkung der seitlichen Augenbrauenanteile nachzuweisen. Sind die Augenbrauen im Adoleszententum noch oberhalb des Augentrichters lokalisiert, so verändert sich die Position bei einem 50-jährigen bereits um einige Millimeter und ist bei einem 70-jährigen deutlich unterhalb des Oberrandes des Augentrichters positioniert. Das Herabsinken des seitlichen Augenbrauenanteils lässt das Auge schmaler erscheinen und führt, bedingt durch einen Gewbsüberschuss im Oberlidbereich, in Kombination mit einer zunehmenden Erschlaffung des Bindegewebes, zu Tränensäcken und Ausbildung von Falten im Lidbereich. Der untere Augentrichterrand zeichnet sich deutlicher durch ein progressives Herabsinken der Weichgewebe - besonders des Wangenfettgewebes - ab, wodurch zusätzlich die Nasolabialfalte prominenter erscheint. Nicht nur die obere Gesichtspartien um die Augen und Stirn weisen diese typischen Altersveränderungen auf, sondern auch die Nasenspitze unterliegt einem Herabsinken, wobei es im Laufe der Zeit zu einer Separation zwischen den Nasenflügelknorpeln kommt, mit konsekutiver Vergrößerung und Verlängerung der Nase und Abflachung des Nasolabialwinkels. Neben der Verlagerung des Mittelgesichtsgewebes, das zu den sogenannten Hängewangen und Verstreichen der Unterkieferbasiskontur führt, erfährt auch das Kinn eine Absenkung, das sich durch Veränderung des Winkels zwischen Hals und Unterkieferbasis auszeichnet. Und zur Ausbildung eines Doppelkinns führen kann.Der Kehlkopf verändert ebenso seine Position. Ist er im jugendlichen Alter noch in Höhe des 4. Halswirbels lokalisiert, so findet er sich bei einem 70-jährigen zwischen dem 5. und 6. Halswirbelkörper. Dadurch erscheint der Kehlkopf im Alter zunehmend prominenter. Staffelt man die Altersveränderungen des Gesichtes, so lässt sich bereits im 3. Dezennium ein deutliches Absinken der Augenbrauen erkennen, der zur Stauchung des Oberlides und damit zum Hautüberschuss führt, bei gleichzeitig markanter werdenden Nasolabialfalten.
Operative Behandlung der Altersveränderungen des Gesichtes
Die chirurgische Behandlung von Falten des Gesichtes, nachfolgend Face lift genannt, hat in den letzten fünf Jahren nachhaltige Veränderungen erfahren.Bei Patienten um die 60 Jahre und darüber hinaus mit ausgeprägtem Gewebselastizitätsverlust, deutlich ausgeprägten Hängewangen infolge Absenkung der Weichgewebe wie Stirn und Augenbrauen empfiehlt sich ein komplettes Face lifting, welches ein Stirn- und Augenbrauenlift, Ober- und Unterlidplastik, Fettabsaugung im Halsbereich gegebenenfalls eine Kinnplastik und Wangenfettrespositionsverfahren nebst Ober- und Unterlidplastiken beinhaltet. Wegen des in der Regel im Alter ausgeprägten Gewebselastizitätsverlustes mit Gewebsüberschuss im Wangen- und Halsbereich bei älteren Patienten um das 6 Dezennium empfehlen sich zur Behandlung der Altersveränderungen in der Regel eine Bindegewebs- und Muskelplastik- und adjuvante Face lift – Verfahren, um Gewebselastizitätsverlust, Verlagerung des Wangenfettkörpers, Doppelkinnbildungen zu korrigieren sowie Falten und die Nasolabialfalte zu nivellieren. Sie stellen erfolgversprechende Möglichkeiten der Rejuvenation des alternden Gesichtes dar und können durch adjuvant Verfahren, wie Laserbehandlungen, chemischen peeling, oder auch ein direktes / indirektes Lippenlifting ergänzt werden.
Schlußfolgerung
Der zeitliche Effekt der Faltenbehandlungen und Körperkonturierung lässt sich am schwierigsten beurteilen, zumal der Alterungsprozess der Haut ein dynamischer, fortlaufender Prozess ist, der von individuellen und äußeren Faktoren, wie z. B. der Dauer der postoperativen Sonnenexposition Ernährungssituation, Hormon- und Vitaminhaushalt, um nur einige Faktoren zu nennen, abhängt. Es ist deshalb schwer einzuschätzen, wie lange es z. B. nach einer Face lift - Operation dauert, bis sich wieder störende Falten und Konturveränderungen entwickeln.Das Resultat ästhetisch-plastischer Korrekturoperationen altersbedingter Körperveränderungen im Senium führt aber über Jahre anhaltend zur Verbesserung des äußeren Erscheinungsbildes, stärkt das Selbstvertrauen und festigt die Selbstsicherheit, um eine bessere Anpassung und Anforderung an das Leben im Alter zu ermöglichen.
